München wuchs wie viele deutsche Städte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stark an. Die Gegend um die Kirche St. Josef, die 1898 fertiggestellt wurde, entstand als Stadterweiterung mit der typischen Blockrandbebauung in den Jahren ab 1880.
Das Anwesen Heßstraße 45 (ursprüngliche Hausnummer 37 vmtl. bis ca. 1920) ist in seinen Ursprüngen ein typisches Beispiel für die spätgründerzeitliche Stadterweiterung Münchens im ausgehenden 19. Jahrhundert. Es wurde 1898/9 mit einen Vorder-, Seiten- und Rückgebäude errichtet. Die Fassaden zeigten dem Zeitgeist entsprechend ein neobarockes Outfit. Im Erdgeschoss des Vordergebäudes werden Räume für eine kleine Gaststätte "Zum weißen Hirschen" errichtet. von dieser Nutzung künden noch heute Reste eines Bieraufzugs in den darunterliegenden Kellerraum.
Als Eigentümer finden sich in den Original-Plänen die Namen Josef Bartmann und Georg Braun.
In den zwanziger Jahren ist Daniel Louis (wohnhaft in Zürich) als Eigentümer ausgewiesen. 1925 werden die Gaststättenräume im Erdgeschoss des Vordergebäudes umgewidmet: sie nehmen Fa. Brettner, Fabrik für elektr. Koch- und Heizapparate auf.
Im 2. Weltkrieg kam es gerade noch glimpflich davon, wenn man bedenkt, dass die Maxvorstadt zu 65% zerstört war. Die Nachbar-Anwesen auf Nr. 43 und 47 waren z.B. ausgebrannt. Allerdings wurde auch das Rückgebäude komplett zerstört und das Seitengebäude im oberen Bereich stark beschädigt.
Ab 1952 wurden unter der Hausverwaltung Robert Meier, der die aus den vier Nachkommen von Daniel Louis bestehende Erbengemeinschaft vertritt, nach den Plänen des Architekten Theo Reitberger von 1947/8 das Vordergebäude und das Seitengebäude instandgesetzt. Dieses erhält allerdings aus Kostengründen nur ein einfaches Pultdach, womit auf die ursprünglichen DG-Wohnungen im 5. Obergeschoss verzichtet wird.
Die ehemaligen Gasträume im Vorderbau dienten nun der Druckerei Seitz als Domizil.
1958 erwarb der Waldtruderinger Bäckermeister Georg Kronawitter das Anwesen und ließ im gleichen Jahr ein Rückgebäude mit 8 Wohnungen neu errichten (Architekt: Zeisberger). In den folgenden Jahrzehnten wurden die Altbau-Wohnungen fallweise renoviert, wenn dies durch Mieterwechsel möglich wurde. Um von den Kohle- bzw. Ölheizungen wegzukommen, wurden Nachtspeicher-Heizungen eingebaut, was eine durchgreifende Erneuerung der Elektroinstallation erforderte.
Ab 1980 wurde von seinem Sohn Dr. Georg Kronawitter, der mit seiner Familie von 1979 bis 1990 in der Hesstraße wohnte, kontinuierlich eine erste Hofbegrünung durchgeführt, die zu einer Prämierung durch das Baureferat/Gartenbau der Stadt München führte.
1990 erbte Dr. Georg Kronawitter das Anwesen. Er führte die kontinuierliche Renovierung und Sanierung der Bausubstanz fort unter der fachlichen Betreuung durch die Architektinnen Silvia und Birgit Rachl. Ab 1999 wurde das Anwesen in mehreren Bauabschnitten mit einer Zentralheizung auf Fernwärmebasis ausgestattet, Planer: Dipl.-Ing. Christian Machmor.
Seit 2000 werden die ehemaligen Gewerberäume nach gründlicher Sanierung durch Aton e. V. und anschließend durch das Elterninitiativ die Maxvorstädter e. V. (die-maxvorstaedter.de) genutzt.
Ab dem 1.1.2014 gehört das Anwesen der Kronawitter Heßstr. 45 GbR, einer so genannten Familiengesellschaft, um es in die nächste Generation zu überführen.
2021 wurde nach den Plänen der Landschaftsarchitektin Gabriele von Andrian der Innenhof umfassend saniert und begrünt. Dabei wurde die Anwesensentwässerung weitgehend auf lokale Versickerung umgestellt und vom städtischen Kanalsystem abgetrennt (Planung Dipl.-Ing. Marika Löwe).
Seit 1.9.2023 besorgt Fa. Mapicor www.mapicor.de um die Hausverwaltung.